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17.08.2024 | 16:00 Uhr

Smart Nursing: Performance Obelix Nutrix von Ania Nowak

Ania Nowak, Kissing Doesn’t Kill, 2023, MSN, Warschau

Von Juni bis August wird in der Performance-Reihe Smart Nursing der Wandel hin zur digitalen Pflege erforscht. Liesel Burisch, Ania Nowak und Anna Witt setzen sich mit Pflegepraktiken mit besonderem Augenmerk auf deren Auswirkungen in Österreich auseinander.

Ania Nowak. Obelix Nutrix
Performance im Rahmen von Smart Nursing.
In Auftrag gegeben und produziert vom Salzburger Kunstverein.
17.08.2024 16:00
18.08.2024 16:00
21.08.2024
19:00

Ania Nowaks Performance Obelix Nutrix verwebt Historisches und Futuristisches, um die sich wandelnde Rolle der Pflegekraft im Gesundheitswesen zu erforschen. Die Performance stellt Florence Nightingale in den Mittelpunkt, die nicht nur als historische Figur, sondern als Archetyp betrachtet wird, und nutzt ihr Vermächtnis als Ausgangspunkt für eine tiefere Erforschung der hochaktuellen Frage: Wie werden wir im Metaversum füreinander sorgen?

Florence Nightingale, oft als Die Frau mit der Lampe dargestellt, ist für ihre grundlegende Rolle in der modernen Krankenpflege und ihren revolutionären Einsatz von Statistiken im Gesundheitswesen bekannt. Sie ist der Inbegriff der mitfühlenden Pflege, der sorgfältigen Beachtung von Hygiene und dem Patient:innenwohl während des Krimkriegs.

Aus einer künstlerischen Perspektive untersucht Nowak die Pflegekraft sowohl als Figur der Fürsorge als auch der Kontrolle und greift dabei auf Jacques Derridas Konzept des Pharmakon zurück, das sowohl Heilmittel als auch Gift ist. Diese Dualität spiegelt die paradoxe Natur der Pflege wider, bei der der Akt der Fürsorge auch in Kontrolle umschlagen kann, was die gesellschaftliche Ambivalenz gegenüber der Pflegearbeit widerspiegelt. Pflegekräfte verkörpern oft diesen Widerspruch, da sie zwischen der Rolle der Trösterin und der Durchsetzung medizinischer Vorgaben navigieren. Nowaks Erzählung wird durch Verweise auf ikonische Darstellungen von Pflegekräften in der Geschichte und Popkultur weiter bereichert, wie beispielsweise Schwester Ratched aus Einer flog über das Kuckucksnest, die den schmalen Grat zwischen Pflege und Tyrannei verkörpert. Diese Darstellungen regen zum Nachdenken darüber an, wie die Gesellschaft die Arbeit der Pflege bewertet – ob sie für ihre Hingabe geschätzt oder mit Misstrauen und der Abwertung betrachtet wird.

In Obelix Nutrix wird Nightingales Ansatz – der auf praktischer, mitfühlender Pflege beruht und in ihren analogen Tagebüchern festgehalten wurde – mit der digitalen Sprache von GPT-4.0 kontrastiert. Diese Gegenüberstellung verdeutlicht das Spannungsverhältnis zwischen traditionellen Pflegepraktiken und den neuesten Entwicklungen im Bereich der digitalen Gesundheitstechnologien, wie z. B. Anwendungen zur Unterstützung bei der Pflege am Lebensende und intelligente Socken zur Stressüberwachung, die derzeit an der Paracelsus Universität in Salzburg entwickelt werden.

Nowaks Performance thematisiert kritisch die mögliche Verwässerung von Menschlichkeit und Empathie in der Pflege, während digitale Hilfsmittel zunehmend an Bedeutung gewinnen. Durch gesprochene Worte, verstärkt durch eine Klanglandschaft und ausdrucksstarke Kostüme, lädt die Performance das Publikum dazu ein, über die Zukunft der Pflege nachzudenken. Nowak spekuliert darüber, wie sich das Wesen der Fürsorge verändern könnte, wenn Berufe, einschließlich der Pflege, in digitale Bereiche übergehen, und reflektiert die Auswirkungen auf öffentliche Gesundheitssysteme.

Kuratiert von Mirela Baciak (Direktor, Salzburger Kunstverein).
Sound: Justyna Stasiowska
Kostüm: Grzegorz Matląg/ Maldoror
Videoproduktion: treat.agency


Ania Nowak (Krakau, Polen) nähert sich der Verletzlichkeit und dem Begehren als Mittel, um neu zu denken, was Körper und Sprache tun und nicht tun können. Nowak entwickelt Formate wie Live- und Videoperformance, Installation und Text. In ihrer Praxis beschäftigt sich Ania Nowak mit Körpern in ihrer nichtlinearen Gefühls- und Denkfähigkeit, um die Schwierigkeiten der Begleitung und Pflege in Zeiten ständiger Krisen zu bewältigen.

Mit freundlicher Unterstützung von