Peter Schreiner. Cabinet fluidifié
Parallel zur Jahresausstellung 2026 zeigen wir im Studio eine Ausstellung von Peter Schreiner, dem Gewinner des Förderpreises 2025 des Landes Salzburg und des Salzburger Kunstvereins.
Je mehr Technologie verspricht, die Welt sichtbar, messbar und erkennbar zu machen, desto beharrlicher scheint sich etwas ihrem Zugriff zu entziehen. Cabinet fluidifié richtet den Blick auf die eigentümliche historische Nähe zwischen Technologie und Spiritismus – und auf die merkwürdige Tatsache, dass jeder Apparat, den wir erfinden, um mehr von der Welt sichtbar oder erkennbar zu machen, zugleich etwas außerhalb seiner Reichweite lässt.
Die Ausstellung bezieht sich auf zwei Momente radikalen technologischen Wandels: die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts und unsere gegenwärtige Epoche der künstlichen Intelligenz. Im 19. Jahrhundert, als die Wissenschaft zunehmend danach strebte, die Welt zu vermessen, zu klassifizieren und zu erklären, griffen Spiritist:innen auf genau dieselben Technologien zurück, um Geister zu fotografieren, unsichtbare Kräfte aufzuzeichnen und sogar Gedanken oder die menschliche Seele festzuhalten. Heute versprechen Maschinen erneut neue Formen des Sehens und Wissens, doch KI zeichnet nicht mehr lediglich auf, was vorhanden ist: Sie rekonfiguriert. Cabinet fluidifié verbindet diese beiden Momente und fragt, was mit dem Unsichtbaren geschieht, wenn Technologie versucht, es einzufangen – und was sich weiterhin entzieht.
„Einfangen“ ist kein unschuldiges Verb. Im Kontext der Fotografie gilt: Sobald ein Phänomen in ein Bild eingegangen ist, kann es gespeichert, reproduziert, verglichen, verbreitet, klassifiziert und angeeignet werden. Fotografie hat immer Bewahrung versprochen, doch Bewahrung ist zugleich eine Form der Domestizierung. Der Geist auf der fotografischen Platte hat nun Dimensionen, eine Inventarnummer und vielleicht eine KI-generierte Bildunterschrift.
Kuratiert von Mirela Baciak.
Peter Schreiner (*1980, Hallein, AT) studierte Geschichte an der Universität Wien sowie Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Fotografie an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel. Von 2010 bis 2013 war er im Erich Lessing Kunst- und Kulturarchiv in Wien tätig. Ab 2017 arbeitete er als kuratorischer Assistent für Fotografie und Medienkunst am Museum der Moderne Salzburg. Seit 2018 ist er Mitglied im FOTOHOF Salzburg und seit 2019 Senior Lecturer in der Klasse für Fotografie und Neue Medien an der Universität Mozarteum Salzburg. 2022 erhielt er ein Staatsstipendium für Fotografie des BMKOES.
Seine Arbeiten befinden sich in öffentlichen Sammlungen, darunter die Fotosammlung des Bundes am Museum der Moderne Salzburg, die Sammlung des Salzburger Museumsvereins, die Sammlung des Landes Salzburg sowie die Sammlung der Stadt Salzburg. Peter Schreiner lebt und arbeitet in Wien und Salzburg.
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Österreich
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