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Eröffnung: Fr, 24.07.2026 | 20 Uhr
Studio Space
25.07.2026 - 20.09.2026

Hac Vinent. [unintelligible]

In Hac Vinents Dreikanal-Videoinstallation Hard Persistence endet der Körper nicht mit der Haut. Er erstreckt sich auf Bildschirme, Signale und andere Körper; er wird erfasst, übertragen, fragmentiert und neu zusammengesetzt. Gesichter driften durch glänzende, fleischartige Umgebungen, die an Bindegewebe erinnern, sich aber nicht zu einer stabilen Anatomie verfestigen. Die so entstehende Landschaft erlangt die Intimität des Fleisches, doch dieses Fleisch ist bereits mit technologischen Systemen verstrickt.

Die Arbeit fragt nicht nur, wie Technologie den Menschen verändert, sondern auch, welches Verständnis vom Menschlichen überhaupt zur Disposition steht. Der vermeintlich vollständige, autonome und universell handlungsfähige Körper war schon immer eine ausgrenzende Fiktion. Er basiert auf einem normativen Subjekt, dessen Kommunikationsformen als selbstverständlich gelten. Hard Persistence versteht Verkörperung als etwas, das durch Bindungen und Verhandlungen entsteht und nicht von vornherein gegeben ist. Vinent ist gehörlos. Obwohl die Installation Umgebungsgeräusche nutzt, ist ihre akustische Ebene durch tiefe Frequenzen strukturiert, die von Vinent mit ihrer Hörprothese wahrgenommen werden können. Der Klang kommt aus verschiedenen Richtungen, bewegt sich zwischen den drei Bildschirmen und entzieht sich einem eindeutigen Ursprung. Das Hören wird daher nicht als natürliche und universelle Fähigkeit dargestellt, sondern als eine technologisch und räumlich organisierte Beziehung.

Technologie erscheint hier weder als äußere Ergänzung noch als Instrument, durch das der Körper sich selbst entflieht. Sie gehört zur materiellen Realität des Körpers. Ähnlich wie eine Brille kann eine Hörprothese zu mehr Gleichberechtigung in Umgebungen beitragen, die auf verschiedene Körper ausgerichtet sind. Zugleich machen diese Technologien sichtbar, dass jede Wahrnehmung durch Geräte und Infrastrukturen bedingt ist – durch die Vorkehrungen, die bestimmen, was von wem und von welchen Positionen wahrgenommen werden kann.

Im Wesentlichen betont die Ausstellung die Beständigkeit des Fleisches: seine Verletzlichkeit, seine Lust, seine Instabilität und seinen Widerstand dagegen, sich vollständig in Information übersetzen zu lassen. Der Körper mag zwar als Bild, Daten oder Signal zirkulieren, aber irgendetwas entzieht sich immer der vollständigen Erfassung.

Im Kontext der Ausstellung bezeichnet Access Intimacy (nach Mia Mingus) eine Form der Anerkennung, bei der Zugangsbedürfnisse nicht wiederholt offengelegt, verteidigt oder in die Sprache des Mangels übersetzt werden müssen. Zugänglichkeit wird weniger zu einem individuellen Problem, das es zu lösen gibt, sondern eine gemeinsame Praxis unterschiedlicher Raumgestaltung. Der Klang von Hard Persistence fordert die Besucher:innen auf, an einer solchen Neuordnung teilzunehmen: sich zu drehen, seinen Körper neu zu positionieren und den Gedanken aufzugeben, Wahrnehmung gehe von einem universellen Standpunkt aus. Orientierung betrifft in diesem Sinne nicht nur die Frage, wie sich eine Person innerhalb eines Raumes positioniert, sondern auch, wie Institutionen und Technologien Körper auf bestimmte Möglichkeiten hin- und von anderen weglenken.

Die im Titel erwähnte „harte“ Beharrlichkeit beschreibt die kontinuierliche Auseinandersetzung mit Systemen, die den Körper klassifizieren, messen und neu formulieren. Beharrlichkeit ist nicht die Erhaltung eines intakten Selbst. Sie ist vielmehr die Fähigkeit, in verschiedenen Kontexten immer wieder aufzutauchen, ohne sich auf einen davon reduzieren zu lassen. Der Mensch, der hier entsteht, ist daher ein widersprüchliches und relationales Konstrukt: technologisch vermittelt, materiell verletzlich und stets komplexer als die Systeme, die versuchen, es einzugrenzen.

Text von Mirela Baciak.

Konzept, Drehbuch und Schnitt: Hac Vinent
3D-Design und CGI: Desirée Quevedo Nieto und Hac Vinent
Fotografie und Kamera: Agustín Ortiz Herrera
Musik und Sound: Carles Esteban
Künstlerische Beratung: Tián Álvarez

Kuratiert von Mirela Baciak.

In Auftrag gegeben und produziert vom Salzburger Kunstverein.

Hac Vinent (*1988, Barcelona, Spanien) entwickeln ihre Arbeit aus einer anti-ableistischen und crip-queeren Perspektive, geprägt durch ihre Erfahrungen als gehörlose, neurodivergente und queere Person. Sie haben Solo- und Gruppenausstellungen in Spanien, Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, Österreich, Mexiko, Argentinien und Kolumbien gezeigt. Zu den erhaltenen Auszeichnungen gehören der Sala d’Art Jove, der Miquel Casablancas Preis und Generación 2021. Hac Vinent erhielt zudem mehrere Stipendien für Forschung, Produktion und künstlerische Entwicklung, unter anderem von Hangar, dem Schaffens- und Museumsprogramm des ICUB, dem Visual Arts Grant der Generalitat, EMPELT, Barcelona Crea sowie dem Leonardo-Stipendium der BBVA Foundation. Ihre Arbeiten befinden sich in den Sammlungen des MACBA, Sant Andreu Contemporani, der Fundación Montemadrid, der Fundación Guasch Coranty und der Fundación Güell.

Bild: Hac Vinent, Hard Persistence, 2020, 3-Kanal-Video, Farbe, Ton, 17 min 23 sec, Ed. of 5 + 1PA, courtesy of the artist.