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Eröffnung: Fr, 22.05.2026 | 20 Uhr
Studio Space
23.05.2026 - 12.07.2026

freakygreenfish. Bot On Bot Crime: How to Vibe Compute Reality in the Trenches of Memetic Warfare

Was zunächst als räumliche Übersetzung der Social-Media-Sphäre erscheint – eine begehbare Plattform –, entpuppt sich schnell als ein Umfeld, das nach den Logiken computergestützter Verbreitung organisiert ist. Bot on Bot Crime baut auf den Mechanismen der Zirkulation und Kontrolle auf und entwickelt sich aus ihnen heraus.

Im Fokus steht nicht nur die Präsenz von Bots in Alltag und Kultur, sondern vor allem ihre Funktion als Mechanismen der Verstärkung. Das von freakygreenfish geschaffene Environment legt einen Zustand offen, der einem Großteil der Gesellschaft weiterhin verborgen bleibt: der zeitgenössische Diskurs wird maßgeblich von dem bestimmt, was in Umlauf gebracht wird. Die Installation entfaltet sich als ein System, in dem Kurzvideos produziert und gleichzeitig auf TikTok gepostet werden. In diesem Sinne entspricht die Arbeit einem Verständnis automatisierter Akteure als infrastrukturelle Kräfte: Entitäten, die menschliche Akteur:innen nicht ersetzen, sondern deren Sichtbarkeit modulieren, ihre Reichweite beschleunigen und die Schwellen von Relevanz neu justieren.

Ein mysteriöses Kollektiv namens GEN.E.SYS agiert innerhalb dieser Ausstellung auf narrativer Ebene. GEN.E.SYS betreibt eine Content-Farm (ein Netzwerk von Servern, die automatisch Inhalte oder Interaktionen generieren, was häufig dazu dient, auf Plattformen Gewinne zu erzielen oder kulturelle und politische Meinungen zu beeinflussen), die in den Rahmen der Ausstellung eingebettet ist. Es versucht, rechten Narrativen entgegenzuwirken, indem es auf der Ebene der Verbreitung eingreift.

Die charakteristischen Rahmenstrukturen von freakygreenfish – verbrannt, assemblageartig gefügt und zu architektonischen Formen erweitert – verankern dieses ansonsten fluide System im Raum. Diese Elemente erinnern an die Grenzen der Malerei, nur um sie zugleich zu überschreiten und den Rahmen selbst zur Infrastruktur zu verwandeln. Was so entsteht, ist ein Beziehungsgeflecht zwischen Präsenz und Zirkulation; eine Umgebung, die einen grundlegenden Wandel in der Art und Weise, wie Realität erzeugt wird, in den Vordergrund rückt.

Schnittstellen zeigen Metriken, Logs und Streams an, die auf zugrunde liegende Prozesse des Scrapings, Postens und Feedbacks verweisen. Sichtbar wird ein Netzwerk verteilter Akteure, die sich mit der kontinuierlichen Modulation von Aufmerksamkeit beschäftigen. Die Betrachtenden bewegen sich durch dieses Umfeld als Teil seiner Schaltkreise und begegnen dabei einer Öffentlichkeit, die nicht mehr ausschließlich menschlich, sondern hybrid geworden ist – eine Verflechtung aus Nutzer:innen, Skripten und algorithmischer Auswahl.

Die Ausstellung rückt ein System in den Fokus, das bereits von automatisierten Einflüssen durchdrungen ist und in dem reaktionäre und opportunistische Akteure das System auf Geschwindigkeit, Wiederholung und affektive Auslösung hin optimiert haben. Fishs Vorschlag ist es, zu prüfen, ob sich dies umlenken lässt.

Kuratiert von Mirela Baciak.

In Auftrag gegeben und produziert vom Salzburger Kunstverein.

freakygreenfish (*1999, Wien, AT) baut spekulative Welten aus Leinen und Keilrahmen als eine erweiterte Definition von Malerei, durch und über Social Media. Mit Performances, Installationen, Videos, Malerei, CGI und Skulpturen erforscht er die Grenzen seiner Definition und behandelt soziale Themen mit Fokus auf linke Theorien und Kulturwissenschaften. fish absolviert derzeit ein MFA-Studium in transmedialer Kunst an der Universität für angewandte Kunst Wien. Seine Arbeit wurde mit dem Kärntner Nachwuchsförderungspreis 2024, dem MFRU International Computing Arts Student Award 2025 und dem Kärntner Kulturförderungspreis für elektronische Medien, Film und Fotografie 2025 ausgezeichnet und wird international gezeigt.

Bild: © freakygreenfish