Förderpreisträgerin 2026: Saffi Adler
Förderpreisträgerin 2026: Saffi Adler
Der Salzburger Kunstverein vergibt 2026 wieder einen Förderpreis in der Höhe von 3.000 Euro. Die diesjährige Jury – bestehend aus Mirela Baciak (Direktorin, Salzburger Kunstverein), Cornel Entfellner (Künstler und Mitglied der Gruppe19) und Karin Peyker (Künstlerin und Vorstandsmitglied des Salzburger Kunstvereins) – prämierte aus 47 Bewerber:innen die Künstlerin Saffi Adler als Förderpreisträgerin 2026.
Jurystatement
Mirela Baciak, Cornel Entfellner, Karin Peyker
Sophie Anna Stadler (geb. 1989) öffnet in ihrer künstlerischen Praxis starre Formen und bricht auf, was geordnet scheint. Sie findet neue Zusammenhänge und erfindet Bedeutungen, die den Ursprung verschleiern, erweitern, verrücken – und somit auf die eigene Komplexität zurückführen. Auch der Künstlerinnenname Saffi Adler folgt diesem Prinzip. Diese romantischen Gesten des Fragments und der experimentellen Umdeutung führen zu einer Gleichzeitigkeit des Zeigens und des Reflektierens der Zeigegeste. Die oft unkonventionellen Präsentationstechniken nehmen sich selbstbewusst Raum und zeigen, wie das Mediale mitgedacht wird. Trotz inszenierter Befremdlichkeit sind die Arbeiten oft niederschwellig und zugänglich. Zum Teil spielerisch organisiert denken die Arbeiten das Publikum aktiv mit, indem sie dieses miteinbeziehen oder gar einladen, mitzuarbeiten.
Das Fluide bzw. die offene Form der künstlerischen Arbeit zeigt sich bereits im Entstehungsprozess. Ihre Arbeiten entstehen zum Teil in kollektiven Prozessen oder werden gemeinsam realisiert. Kunst kommt hierbei eine soziale Funktion zu. Sie interveniert, wo eine Ordnung bereits hergestellt wurde, bricht auf und stellt Fragen, die zwischen Menschen und anderen Objekten verhandelt werden. Nicht selten werden Dinge zu Akteuren und eine Umgebung wird zum interaktiven Netzwerk. Atmosphären bekommen ebenso ein Vokabular wie Alltagsgegenstände. Saffi Adler denkt in Zusammenhängen und orientiert sich dabei an manchmal unscheinbar wirkenden Knotenpunkten. Und obwohl diese Annäherung genreübergreifend und in erheblicher medialer Vielfalt stattfindet, finden sich wiederkehrende Achsen des Begegnens, die einen spannenden Fokus offenlegen. Die Freude am Denken, das Entdecken von Komplexität und das Spiel mit Konventionen machen (St)Adlers Arbeiten zu lustvollen Begegnungen, die unheimlich fruchtbare Böden bereiten.
Mit der Verleihung des Preises an Saffi Adler würdigt die Jury eine facettenreiche Künstlerin und will die Freude am dekonstruktivistischen Experimentieren unterstützen, die weiterhin Inszenierungen als Erfahrungsräume öffnet. Ihre Arbeit fordert die Einlassung auf die Unmöglichkeit finaler Antworten und verwandelt so Unsicherheit in Denkräume.
Saffi Adler (*1989, Linz) lebt und arbeitet in Wien. Die Künstlerin schloss 2024 ihr Diplomstudium (Bildende Kunst) der Akademie der bildenden Künste und Goldsmiths University London ab und hat unter anderem Projekte in Wien, Salzburg, Stuttgart, Kassel, Linz und London realisiert. Adler arbeitet multidisziplinär mit Video-/ Sound- und Rauminstallation, sowie Text und Performance. Sie entwirft Raumkonzepte und baut bespielbare Kulissen aus Projektionen, Sound und variablen Hängeelementen. Ihre Arbeiten drehen sich um die materiellen Manifestationen unseres Verhältnisses zu Landschaft und Zeit, sowie deren mediale Vermittlung, die technische Herstellung von Natürlichkeit und ihren Produktionsbedingungen. Arbeiten wurden gezeigt u.a. im Weltmuseum Wien (2020), Kunsthistorischen Museum Wien (2021), Crossing Europe Film Festival (2022), Fotograf Festival Prag (2022), Stuttgarter Filmwinter (2025), Urban Space Video Walk Düsseldorf (2026). Texte erschienen u.a. in hinterlands magazine for rural realities (Berlin) und Triedere: Zeitschrift für Literatur und Theorie (Wien). Ihr Theaterstück Dead Dove Do Not Eat, Uraufführung documenta fifteen (Kassel 2022) erschien im Frühjahr 2025 bei Mark Penzinger Books und wurde als eines der schönsten Bücher des Jahres ausgezeichnet.
