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  Termine
05.08.2026 | 20:30 Uhr

The Distribution of Luck: Lecture Performances von Gernot Wieland und Harun Morrison

Im August präsentiert der Salzburger Kunstverein gemeinsam mit der Internationalen Sommerakademie für bildende Kunst Salzburg die Performance Reihe The Distribution of Luck. Kuratiert von Mirela Baciak und Denis Maksimov umfasst sie vier Lecture Performances von Harun Morrison, Filipka Rutkowska, Urok Shirhan und Gernot Wieland, die sich mit den Themen Liebe, Klasse, Geld und Identität auseinandersetzen.

Können Algorithmen wirklich an Glück glauben? Seit Jahrhunderten verleiten uns beobachtete Rhythmen, Reime und Harmonien dazu, in Wahrscheinlichkeitsverteilungen  zu denken. Diese bilden eine grundlegende Basis der Informatik: Sie liefern den mathematischen Rahmen, um Unsicherheit, Zufälligkeit und Variabilität in Algorithmen, Systemen und der Datenanalyse zu modellieren. Die Verbreitung von KI (von Dating-Apps bis hin zu Fintech) hat die Problematik der Wissensproduktion erweitert. Während LinkedIn scheinbar ausschließlich aus künstlich generierten, generischen Texten darüber besteht, wie man besser werden kann, verlassen sich Studierende beim Verfassen ihrer Essays und Abschlussarbeiten zunehmend auf KI.

Die Debatte darüber, dass KI sogenannte „nutzlose Berufe“ verdrängen werde, erinnert in gewisser Weise an David Graebers Konzept der „Bullshit Jobs“, das allerdings in einem völlig anderen Zusammenhang entstand. Beide Vorstellungen setzen jedoch einen grundlegenden Paradigmenwechsel voraus. Während die erste einer fragwürdigen hyperkapitalistischen Logik folgt, die Menschen auf ihre Funktion reduziert, versteht sich die zweite als antikapitalistische Kritik an struktureller Ausbeutung: Die Arbeit, die das gesellschaftliche Gefüge aufrechterhält, wird dabei überproportional auf die unteren sozialen Klassen abgewälzt. Die Klassenzugehörigkeit wiederum ist in hohem Maße das Ergebnis einer zufälligen Verteilung von Glück – sofern man nicht an eine vorbestimmte Fügung glaubt.

Ist es Zufall oder ist es Schicksal?

05.08.2026 20:30 Uhr
Lecture Performances von Gernot Wieland und Harun Morrison


Gernot Wieland
The Absence of the Clown in the Presence of Violence

Diese Lecture-Performance ist eine Reflexion über Abwesenheit, in der Geschichten eines Clowns auf der Couch eines Psychoanalytikers mit mythischen Figuren, Kindheitshelden und Gerüchen, der Geschichte der Armut sowie politischen Ereignissen verwoben werden. Gernot Wielands Werk umfasst Kurzfilme, Zeichnungen, Installationen, Keramik und Lecture Performances. Seine Erzählungen entstehen durch eigenwillige und oft absurde Kombinationen aus Bild und Sprache, wobei er autobiografische und fiktionale Elemente zu poetischen, traumartigen Räumen verschmilzt. Wieland erschafft eine zutiefst emotionale und einzigartige Welt, in der Erinnerungen zwischen Wahrheit und Fiktion schweben. Seine Ich-Erzählungen verweben das Persönliche mit dem Politischen und entwickeln sich nach und nach zu einer humorvollen Analyse gesellschaftlicher Normen und repressiver Dynamiken.

Harun Morrison
From Polycrisis to Polymarket

Polymarket wurde 2020 gegründet und ist ein US-amerikanischer Prognosemarkt, auf dem Nutzer auf die Ergebnisse weltweiter Ereignisse wetten können. Umstrittenerweise zählen dazu Wetterereignisse, Trennungen von Prominenten sowie geopolitische Entwicklungen wie Militärschläge und Friedensabkommen. Prof. Jamie L. Pietruska, eine Historikerin, der sich mit der Wissensproduktion im Wirtschaftsleben befasst, schreibt: „Der Kapitalismus hat die Ungewissheit des Wetters in ein berechenbares Risiko und eine Profitquelle verwandelt.“ In dieser Lecture wird Harun von den Ergebnissen seiner Wetten berichten, für die er in den zwei Monaten vor der Performance sein Künstlerhonorar des Salzburger Kunstvereins auf verschiedenen Glücksspielplattformen eingesetzt hat.

Kuratiert von Mirela Baciak & Denis Maksimov.

Ko-Produktion mit der Internationalen Sommerakademie für bildende Kunst Salzburg.

Denis Maksimov kuratiert und unterrichtet zeitgenössische Kunst, globale Geschichten und interdisziplinäre Geisteswissenschaften. Er ist Kurator für Kunst und Programme bei Pushkin House in London, Dozent am Joseph Backstein Institute of Contemporary Art in Moskau und Gründer des Lecture Performance Archive sowie des Avenir Institute. Er lebt und arbeitet in London und Athen.

Bildmontage: Allegorie der Fortuna: Geflügelte Frau mit Palmzweig und Spinnrad, Globus und Schiff im Hintergrund. Heliogravüre nach S. Beham, 1541. Wellcome Collection. Hans Sebald Beham (1500–1550), Misfortune, o. J. Kupferstich auf Büttenpapier, 78 × 51 cm. Brooklyn Museum, Schenkung von Mrs. Charles Pratt, 57.188.16. (Foto: Brooklyn Museum)