Agnes Scherer. Three Wicked Games
Agnes Scherers Ausstellung Three Wicked Games geht von einem Inventar zeitgenössischer Obsessionen aus und lässt diese rückwärts oder seitwärts in zwei sogenannte Tapisserie-Entwürfe von Francisco Goya münden: Das Blindekuhspiel (1789) und Der Hampelmann (1791). Beide zeigen volkstümliche Spiele.
Die Künstlerin erkennt in diesen Spielen eine Struktur, die auf unheimliche Weise zeitgemäß wirkt. In beiden Kompositionen befindet sich eine machtlose Figur im Zentrum. Um sie herum ordnet sich die Gesellschaft wie in einer Choreografie an. Jemand ist blind, jemand wird geworfen, jemand lacht, und jemand wartet darauf, dass er an die Reihe kommt. Diesen Spielen fügt Scherer eine dritte, imaginierte Szene hinzu, die ebenfalls ein Spiel suggeriert.
Scherer überträgt diese Bilder in ein gespenstisches Puppentheater. Während sie die Kompositionen nahezu eins zu eins zitiert, entzieht sie den Figuren ihre Körperlichkeit. Die intakte Figur fühlt sich nicht länger richtig an, so Scherer. Sie gehört zu einer Fantasie von Kohärenz, die von der Gegenwart nicht mehr eingelöst werden kann. Was die Künstlerin mehr interessiert als der Körper, ist das Leben unter den Bedingungen des Spätkapitalismus, das durch einen Kreislauf gewinnorientierter Transaktionen und andauernder Abhängigkeiten geprägt ist.
Kuratiert von Mirela Baciak.
In Auftrag gegeben und produziert vom Salzburger Kunstverein.
Agnes Scherer (*1985, Lohr am Main, DE) thematisiert in ihrer Arbeit Machtverhältnisse und deren psychosoziale Grundlagen, weibliche Erfahrung, Seelenzustände in kapitalistischen Realitäten sowie das das unheimliche Wiederaufscheinen historischer Ordnungssysteme in der Gegenwart. Indem sie Skulptur, Malerei und Collage verbindet, erschafft sie szenische Installationen und performative Objekttheater, in denen oft die Marionette eine zentrale Rolle spielt. Als reale Figur oder auch nur als Denkfigur der Verstrickung kann sie komplexe Zusammenhänge sichtbar machen, die sich sonst der unmittelbaren Wahrnehmbarkeit entziehen. Scherers oft systemische Arrangements verlangen nach einem aktiv-interpretierenden Zusammenfügen aller Elemente, durch welches das eigentliche Bild als ein mentales entsteht. Ihre Formatfindungen stützen sich dabei auf kunsthistorische und anthropologische Studien sowie auf ein besonderes Interesse an populären Kunstformen der frühen Moderne, insbesondere im Bereich der Schaustellerkunst. Die Künstlerin lebt und arbeitet zwischen Franken, Deutschland, und Salzburg, Österreich, wo sie als Professorin für Malerei an der Universität Mozarteum Salzburg tätig ist.
Foto: © Andrew Phelps
5020 Salzburg
Österreich
T +43 (0) 662 8422 94
E office@salzburger-kunstverein.at